Eine kleine Liebeserklärung

Am liebsten würde ich jetzt eine lustige Geschichte schreiben; ich habe so große Lust über die Ziege in der rumänischen Provinz zu schreiben, oder über die im Garten vergrabenen Tabakblätter. Du hast aber gesagt, dass ich das nicht machen darf, deshalb werde ich nun versuchen, eine Liebeserklärung an dich zu schreiben.

Vor vielen Jahren habe ich dir von einer Sängerin aus meinem Land erzählt, die sich bei jeder Trennung von ihrem Geliebten selbst getröstet hat – mit dem Gedanken, dass jede Trennung nur eine Art Bogen sei. In dem Moment, in dem sie sich für eine kurze oder auch längere Zeit von ihrem Geliebten trennen musste, betrachtete sie ihren Weggang als einen Bogen; und mit jedem Kilometer und mit jeder Minute, in denen sie sich von ihm entfernte, kam sie eigentlich schon zurück. Früher lachten wir darüber vielleicht und nahmen alles viel leichter. Nun, viele Jahre später, ist unser Leben voll von unzähligen kleinen Bögen. Und ich ahne nur, wie es dir dabei geht, und du weißt, dass mir diese Bögen immer schwerer fallen. Heute weiß ich, dass ich dich liebe. Heute fühle ich, dass jeder Bogen, den wir spannen müssen oder auch mal spannen wollen, sich irgendwann biegt und das Wiedersehen ist sicher. Wir haben uns am Anfang nichts versprochen und damit gaben wir unserer Beziehung eine Chance zu wachsen. Irgendwann viel später, in der dunklen für ein Wochenende gemieteten Wohnung an der Bahnstrecke schlug ich dir vor, dass wir mehr Verantwortung füreinander übernehmen. Das haben wir getan und unsere Beziehung wurde immer tiefer. Ich wusste gar nicht, dass die Liebe mit den Jahren wachsen kann. Unsere Liebe wuchs, veränderte sich und wandelt sich immer noch. Du hast viel mit mir ertragen müssen; ich musste einiges für dich opfern. Und was mich glücklich macht, ich habe keine Angst, dass sich unsere Liebe in Langeweile verliert, ich habe keine Angst, dass sie verblasst. Sie verändert sich stets; sie bleibt nicht so wie sie ist. Und das ist das Schöne daran, dich zu lieben, bei dir zu sitzen, manchmal stundenlang ohne zu sprechen und manchmal schallend lachen, zum Beispiel über die arme rumänische Ziege und die im Garten vergrabenen Tabakblätter. Und es ist nicht richtig, dass ich bei jedem neuen Bogen so traurig bin, aber es ist ein Teil unserer Liebe im fortwährenden Wandel. Ich liebe dich, aber vielleicht werde ich nicht auf dich hören und die Ziegen- und Tabakblättergeschichte zum Besten geben.

3 Kommentare

  1. Sousa Tavares com Sinistra! Pede-se boneco!Os bonecos do Kaos têm a faculdade de nos fazer dormir melhor, talvez pela ma£feistaçÃno de solidariedade que enviam para nossas casas.

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