Nach Santiago ist es noch weit und das ist gut so!

Nun haben wir die erste Etappe auf dem Jakobsweg hinter uns. Gestern Abend erwischten wir in Saint Jean Pied de Port ein Hotelzimmer, das viel Verwunderung auslöste – nicht nur wir wunderten uns darüber, dass es zu unserem Zimmer keinen Schlüssel gab und der Haupteingang um 22.00 Uhr jeden Tag schließt, sondern auch die Hotelbesitzerin war etwas überrrascht, dass wir uns keine Bettwäsche mitgebracht hatten. Wir kippten also schnell in einem teuren und schlechten Restaurant jeweils eine Flasche Wein in uns hinein (aus Verzweiflung und als Auftakt zu unserer Pilgerschaft), um bis 22.00 Uhr im Hotel sein zu können. Nach einer ruhigen Nacht und einem miserablen Frühstück um 6.00 duschten wir und trockneten uns mit einem Bettbezug ab. Dann gingen wir los: Saint Jean Pied de Port – Roncesvalles (25 km) – eine sehr schöne auch wenn ziemlich bergige Etappe. Um 14 Uhr in Roncesvalles angekommen, hatten wir Glück. Wir bekamen sofort ein schönes Zimmer mit eigenem Bad, Bettwäsche und mit Handtüchern. Für den Preis, den wir bezahlen  mussten, hat eigentlich jeder sofort Glück, dachten wir an der Rezeption.

Ich freute mich sehr, Frankreich verlassen zu haben, da man dort mit französischen Grundkenntnissen nicht weit kommt. Ich spreche fließend Spanisch und kann ab sofort endlich alles regeln. Fehlanzeige. Ich fragte nach Zigaretten. Man sagte mir, dass es hier in diesem Ort nur einen Zigarettenautomaten gäbe, dieser aber wahrscheinlich kaputt sei. Meine Welt brach zusammen. Es ist einfach schwierig zu pilgern, wenn ein paar Abhängigkeiten mitpilgern. Ich war wütend auf mich, ich gab mich auf. Der Zigarettenautomat funktionierte dann doch, auch wenn er nicht unsere Marke enthielt, aber das war uns dann ziemlich egal. Trotzdem ärgere ich mich über diesen Mangel an Freiheit, verursacht durch die blöde Nikotinsucht. Aber nach Santiago ist es noch weit, extrem weit sogar und das gibt mir viel Hoffnung. Ich habe genug Zeit, an mir zu arbeiten. Und vielleicht stellt mir mein Freund bald sein wunderbares, vor langer Zeit angekündigtes Rauchentzugskonzept vor. Bis Santiago hat er noch Zeit.

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