Heimat und Exil

In der Nacht, in der das ganze Dorf unterwegs ist und man selbst alleine zu Hause bleibt, sollte man nach keiner Insel suchen. Man sollte keinen Traum wagen, da alles zum Scheitern verurteilt ist. Ich suchte nach einer Insel, fand sie dann auch und verlor sie nach einem kleinen Augenblick. Odysseus wusste, dass die Inseln beides sein können: Heimat und Exil. Dieses Dorf ist mir beides; ein großes Stück Heimat fand ich hier; fühle mich aber oft so verloren – im Exil auf bestimmte Zeit. Ich gehöre nicht dazu und will nicht dazu gehören. Ja, solche Menschen sind nicht beliebt; solche werden eher verstoßen. Aber so sind wir alle: Wir suchen stets nach einer anderen Insel, nach vielen Inseln – trotz der Realität, trotz unserer Erfahrung. Immer sind wir dort glücklich, wo wir nicht sein müssen. In unseren Häusern fällt uns die Decke auf den Kopf. Im Winter fällt unsere Welt zusammen und wir merken es nicht, dass sie uns ebenso im Sommer zusammenfällt. Ich sähe die ersten Samen im Februar und schaue dann zu, wie alles erfriert. Den Februar zu genießen, lerne ich aber nie. Ich beginne Freundschaften, die mich belasten, weil ich selbst nicht im Jetzt leben kann und mich stets nach einer besseren Zukunft sehne. Ich sehne mich nach der Tulpenzeit und kaum ist sie da, verschlafe ich mein Leben, verbringe die langersehnten Stunden der Wärme und des Frühlings im Bett. Ich verkrieche mich vor der Welt; mich selbst überzeugend, dass ich das wahre Leben besser verstehe, dabei sitze ich dann stundenlang – unter der Einsamkeit leidend.

Alle sind unterwegs, sie feiern die Auferstehung Christi. Ich fühle sie nicht, ich kannte keinen Christus als Kind und nun ist es zu spät, seine Auferstehung feiern zu können. Ich versuche sie zu verstehen, mich für sie zu öffnen, aber ich kann nicht hin. Ich bleibe lieber allein – in meinem Exil- und Heimatdorf.

Danke für das Bild an Philipp Bertsch

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