Weihnachten in der Mülltonne

Bereits Ende Oktober sah ich im Galeria Kaufhof den ganzen Weihnachtsitsch aufgebahrt und mit kaltem silbrig-grauen Spray besprüht. So viel wenig Geschmack verdirbt einem die Laune sofort und macht wütend. Es macht mich auch traurig, dass aus dem Weihnachtsfest nur dunkle, schmutzige, regnerische, stressvolle und schließlich einsame Dezembertage blieben.
Die Freunde haben plötzlich keine Zeit, weil sie von einem Geschäft zum anderen jagen; sie planen, putzen, installieren Lichter; sind übermüdet und gehetzt.bildBlog
Wir gestalten das Fest anders. Eine Kerze im Wohnzimmer, ein leuchtender Stern draußen reichen als Deko völlig aus. Seitdem wir vegetarisch-vegan leben, gibt es bei uns keinen Fisch und trotzdem lebt die Tradition weiter. Sie ist sogar schöner, da sie friedlicher und vielfältiger wurde. Unser Weihnachtsessen ist einfach: Sauerkrautsuppe mit ungarischem Paprika und geräuchertem Tofu, Kartoffelpüree mit gerösteten Zwiebeln und Pilzen und einem bunten Salat. Wir genießen das Essen, ohne uns zu überfressen. Nach Geschenken jagen wir nicht. Gemeinsam fahren wir stressfrei mit der Bahn in die Stadt; suchen eine Buchhandlung auf, in der wir uns gegenseitig und für unsere wenigen Freunde ein paar Bücher kaufen. Anschließend trinken wir gemütlich einen Kaffee und essen im VIVA. Dann gehen wir schwimmen und in die Sauna. Das sind unsere Festvorbereitungen.
Es gibt da aber noch etwas Unangenehmes. Unsere Gemeinde meint, meinem Freund oder uns jedes Jahr etwas schenken zu müssen. Meistens sind es nur Berge an Plastikmüll, an Grusel-Deko-Zeug, billige giftige Kosmetik von Aldi, Berge an Süßzeug mit raffiniertem Zucker, der mit freien Radikalen unsere gesunden Körperzellen angreifen soll, aber nicht angreift, weil das ganze Zeug gleich aus dem Fenster zu den Hühnern fliegt. Der Rest versuchen wir an Bedürftige weiter zu leiten oder wir versenken es mit schlechtem Gewissen gegenüber der Natur in der Mülltonne. Die Gutscheine, die wir bekommen, landen in einer Holzkiste, wo schon andere 50 liegen. Viele Freunde und Bekannte haben leider noch nicht verstanden, dass wir alles haben, und was wir nicht haben, brauchen wir nicht. Weihnachten wären vielleicht sehr schön, wenn wir nicht jedes Jahr unter den Bergen von diesem unsinnigen Zeug ersticken würden.

11 Kommentare

  1. Da sagst du was. Ich kämpfe diesen Kampf auch schon länger, aber die Kiste im Keller quillt über mit Geschenken, die ich nicht schön finde, nicht brauche, aber trotzdem ständig bekomme. Verzweifelt versuche ich das Zeug auf dem Flohmarkt oder auf Verschenks-Portalen los zu werden, weil ich mich zum wegschmeißen oft nicht durchringen kann. Aber selbst geschenkt wollen das andere Leute auch nicht haben? Warum kauft man sowas? Und warum denkt man so wenig über Geschenke und den Adressaten nach?

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  2. Hallo!

    Ich kann Deine Haltung sehr gut nachvollziehen. Trotzdem möchte ich etwas dagegen halten. Ich schenke schon sehr gerne und ich möchte denen, die ich liebe, auch gerne eine Freude machen und damit ausdrücken, dass ich sie liebe.

    Es ist immer schwierig jemandem etwas zu schenken, der alles hat, was er braucht. Meiner Meinung nach gibt es aber doch einige Wege (habe voriges Jahr darüber geschrieben btw.).

    Ich verschenke gerne selbst gemachte Sachen, gerne Essbares. Das steht dann nicht herum sondern man kann es sich gut schmecken lassen und in dem Moment an den anderen denken.

    Das ist halt mein Weg.

    Selbst schenke ich mir auch jedes Jahr etwas zu Weihnachten. Ich finde, das sollte jeder machen!

    lg
    Maria

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    • Ja, ich weiß, nur ich und mein Freund sind Leute der Öffentlichkeit und haben schätzungsweise 20.000 potenzielle „Beschenker“ was sollen wir mit dem gekauften, gebastelten, eingekochten, gebackenen Sachen machen? Stell dir vor die Berge, die bei uns bei jedem Feiertag ankommen. In meinen Texten übertreibe ich auch gerne, um die Menschen vom Konsum abzubringen… Danke aber für deinen Kommentar, ich schenke auch gern, und mache es auch immer… Hmm, ich bin aber traurig, dass wir uns von dem Weihnachtsfest so sehr entfernt haben. Ich persönlich fühle kaum noch was….

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  3. Ohhh Martin liebe ich dich aber… habe ich einbischen andere Bliek über das… zbspiel.. wenn sie zu hause veile kleines Kinder im Weinachten gehaben hätte, dann was? Welsche Wünsche für die wäre? Mein meinung nach dass im jeder erwacksene Mensch ein kleines Kind schläfen…. Und das ist wünderschöne wenn die Manschen noch über zusammen denken, das Glück bring etwas zu schenken…wir umtauschen guteste Emozion, Positiv und die Energie…Und wenn wir so machen, schötzen über zusammen mit vileicht kleines Kleineskeiten oder großere (wie wer kann) dann die Weltkriek nicht kommen… und unsere Welt leben wird
    .. Und ja, ich auch libe nich viele Zeit im Geschefte bringen, aber das kann sein „Handmeik“ oder lekeres Essen… Das so großerer Genießen bringen für alles kochen oder etwas mit dem Hand machen… So wir unsere liebe kann ausdrücken… Liebe Gruße Anamartina

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  4. Lieber Martin,

    ich schließe mich – wie so oft – der Meinung von Maria (widerstandistzweckmaessig) an. Sie hat in Worte gefasst, was ich dachte. Ich denke, jeder Mensch sollte für sich die Balance finden, was er kaufen/basteln/herstellen möchte, um es zu verschenken und sich vor allem auch Gedanken darüber machen, was der Beschenkte wohl darüber denkt, dass und womit er beschenkt wird. Oft ist es ja so, dass gedankenlos gekauft wird (dein Stichwort: Kaufrausch) und dass sich vor allem der Schenker keinerlei Gedanken über die Gedanken des Beschenkten macht. Wer sich in der Advents- und Weihnachtszeit hetzen lassen möchte, der wird dies weiter tun und weiter darüber klagen. Wer für sich einen anderen Weg gefunden hat, darf sich doch glücklich schätzen, es mit etwas mehr Gelassenheit angehen zu können und derjenige darf sich über die Zeit für anderes freuen!

    Ich schenke oft Dinge, die sich verbrauchen – ähnlich wie Maria Selbstgemachtes oder auch Sachen wie Duschgel/Seife & Co., die sich nach und nach wieder automatisch aus dem Haushalt verabschieden. Dann liegt nichts rum und der Beschenkte muss sich nicht Gedanken machen, was er mit dem Krempel machen soll. 🙂 Ich versuche, mir im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, worüber sich jemand freut und ob/was er tatsächlich (ge)brauchen könnte. Klappt bislang ganz gut.

    Insgesamt renne ich meiner Zeit zwar ständig hinterher, das hat aber viel mehr Gründe als nur (wenn überhaupt) Einkaufspläne. Ich habe einfach viel zu viele Ideen für 24 Stunden und ich würde so gerne so viele davon umsetzen. So muss ich mich selbst immer wieder einbremsen, um nicht völlig gehetzt zu sein. So habe ich mir gestern Nachmittag ein Mittagsschläfchen gegönnt – die Balance ist es, bei allem!

    In diesem Sinne wünsche ich dir und deinen Lieben eine besinnliche und schöne Advents- und Weihnachtszeit und viele gute Gedanken!

    Viele Grüße
    Anni

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