Die Angst vor der Stille

Ich war 16 Jahre alt, als an jenem 17. November 1989 die Menschen in der ehemaligen Tschechoslowakei nach Freiheit und Demokratie schrie. Ich war stumm und still, weil ich nicht verstand, was die Freiheit und jene Demokratie bedeuten. Ich war damals frei und traf meine Entscheidungen so frei wie noch nie. Ich fühlte nur, dass es etwas Gutes sein muss, wenn diese zwei Worte so viele Menschen nicht nur in meinem Land, sondern in ganz Osteuropa. Ich wusste aber mit viel Überzeugung, dass ich zum Westen gehören möchte.

Heute, 26 Jahre später, an diesem 17. November, schreie ich nach Frieden. Dieser Westen, der mir alles versprach, erfüllte mir nur bitter wenig; er schenkte mir einen gewissen materiellen Wohlstand. Meine geistige Heimat ist er aber nicht mehr. Ich fühle mich fremd wegen seiner stumpfen Unbelehrbarkeit. Was hat dieser Westen aus allen Wirtschaftskrisen gelernt? Was hat dieser Westen aus allen Terroranschlägen gelernt? Der Westen, der immer gerne vor Begeisterung strotzte, das Rezept für ein gutes und friedliches Leben gefunden zu haben, ist heute nur eine traurige Masse des Geistes, die sich selbst immer wieder bildBlogreparierend und flickend in einer Sackgasse befindet. Er geht nicht mehr; geschweige denn läuft, er taumelt benebelt von seinem einstigen Ruhm.
Ich habe Angst; ich habe heute eine wahnsinnig große Angst, dass uns der Frieden stiftende Westen in den Krieg führt.
Alles ist still; die meisten glauben an die Vernunft und sind still. Die Straßen sind still und viele von uns überdenken ihre Position nicht. Die Welt der Allgemeinheit ist still. Überall Stille.
Ich habe Angst vor dieser Stille. Ich will Frieden; Frieden für alle.

4 Kommentare

  1. Klingt so, ach die da Oben. Da wird eine Politik gemacht, die doch auch die alle unterstützen! Wir leben doch in einer Demokratie! Der überwiegende Teil der Bevölkerung interessiert sich Politik doch am Rande. Wenn dem nicht so wäre gäbe viel Engagement im politischen Leben. Erst wenn das eigene Wohlbefinden in Gefahr gerät wird man munter. Hauptsache mir geht es gut.
    Wo ist denn die politisch interessierte Jugend, die Intellektuellen, die Künstler, Vordenken?
    Ich sehe keine starke Front, welche eine Veränderung will. Selbst in relativ einfachen Themen wie Umweltschutz gibt es keine wirksame Umkehr vom Konsum und seine Auswirkungen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s