Mein kleiner Wohnwagen

Vor zwei Wochen kaufte ich Land. Es ist nur eine kleine Scholle am Waldrand unweit einer Großstadt. Ein Garten wird sie werden und eine Wiese. Auf der Wiese steht schon jetzt, zumindest in meinen Gedanken, ein kleiner autarker Wohnwagen.
Ich war entwurzelt, heimatlos und zerrissen. Ich gehörte nirgends und sehnte mich nach Zugehörigkeit. Ich vagabundierte körperlich und in meinem Inneren. Ich war verwirrt, weil ich mich in ständiger Bewegung befand. Die Interaktionen mit und in der Gesellschaft waren zerstreut, dünn und belanglos. bildBlogSie verliefen kabellos im Äther, durch dessen Schwingungen ich fast stürzte. Gemietete Wohnungen, Verträge mit nicht handfesten Firmen, kurzweilige Jobs und die monströsen Verkehrslinien brachten mich zum Wackeln. Zur Verzweiflung und zum Schrumpfen brachten sie mich. Sie machten es so lange, bis ich da ganz zerfranst, zerschlissen, zermahlen und äußerlich und innerlich zerlumpt mitten im Nichts stand.
Ich habe jetzt eine kleine Scholle und eine kleine Wiese, am Waldrand. Und ich habe schon, zumindest in Gedanken, einen kleinen Wohnwagen. Sie geben mir einen Halt. Sie geben mir einen Ort. Ich bin wieder zurück – zurück bin ich an jenem Ort, woher ich kam.

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