Das Verstummen

Was ist nur aus dir geworden? Du schreibst ununterbrochen; du schreibst nicht – du tippst dich zu Tode. Deine Fingerkuppen drücken unsere Freundschaft zu Tode. Deine Nachrichten will ich nicht mehr lesen. Sie quälen mich. Sie sind nichts sagende Reste vom einstigen Gewirr der Worte. Sie sind auch ein jämmerliches Überbleibsel von den nicht ausgesprochen Gedanken, die du an mich richten wolltest. Du schreibst, dass du an mich denkst und dabei denken nur deine Fingerkuppen an mich.
Es sind Jahre vergangen. Weißt du?, damals? Da haben wir stundenlang geredet. Wir ergötzten uns an den lebendigen Worten. Wir lachten authentisch und besangen die deutsche Sprache. Wir trafen uns sogar. Wir sahen uns oft. Ja, es sind viele Jahre vergangen. Deine Stimme kenne ich kaum mehr. Du schreibst mir; du sendest mir hunderte Nachrichte, die mich schmerzen.
Du hast deine Sprache verloren; du hast mich verloren und für ein totes Wort ausgetauscht. Du hast auch mich zum Verstummen gebracht.
Die Worte in mir sind stumm, aber immer noch lebendig. Ich spüre noch ihre Regung. Ich werde aufs Neue sprechen lernen.

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