Du gehst jetzt weg von mir

Ich bin traurig, dass du nun gehst. Du verabschiedest dich gerade von mir mit Chrysanthemen und Astern. Du schenkst mir noch ein Körbchen blauer Feigen, die bei uns nicht so saftig sind und nicht so intensiv schmecken. Du gehst nun von mir weg. Du wirst lange weg bleiben. Ich bin traurig, dass du mich verlässt; dass du mich hier alleine lässt. Du gehst langsam und trotzdem so unaufhaltsam. Nur ein schwacher Trost ist es für mich, dass ich dich im kalten Februar auf Madeira sehen werde. Zu wenig Freude bereitet mir jetzt die Zuversicht, dass du zurückkehren wirst.

Ach, Sommer! Nun gehst du wirklich und machst mich mit jedem fallenden Blatt trauriger und einsamer. Du nimmst das Licht mit dir; du nimmst mir die Wärme weg. Dein Gepäck hast du voll mit Grün, Gelb und Rot vollgestopft. Du nimmst mir die Farben weg. Die ganzen Blumen schauen noch aus deinem Koffer heraus und hinterlassen Traurigkeit.

Du gehst nach Berlin. Du bist nun erwachsen. Wir wussten, dass du eines Tages deine Wege allein beschreiten wirst. Du bist wie der Sommer, Nima. Du warst viel zu kurz daheim; und nun gehst du. Du nimmst dein Lachen mit, deine Spiele und deine Pläne. Du kommst zurück, Nima, wir wissen das.

Ich bin so traurig an diesen Tagen der fallenden Blätter; an diesen Tagen der Krähen.

Mama, warum siehst und hörst du in deiner Wohnung überall Geister? Warum begibst du dich in die Dunkelheit? Der Sommer wird doch zurückkehren. Bitte, gib jetzt nicht auf und atme nochmal durch. Suche dich und entdecke die Liebe erneut. Lass erneut leuchten deine Träume für mich an diesen Tagen, wenn der Sommer mich verlässt.

Ich bin so traurig, weil ihr alle geht. Die Blätter fallen. Die Farben verblassen. Die Kälte beginnt. Die Kerzen trösten nicht.

Lasst uns von Eribon und Connie Palmen sprechen, Marx neu entdecken. Lasst uns Buddenbrooks wieder lesen und das Buch nach hundert Seiten in die Ecke schmettern.

Die Blätter fallen auf unsere Liebe. Und die Hoffnung verhindert das Verblassen der Farben. Ich sehe schon die Knospen schießen. Ich sehe sie, sich entfalten. Das Feuerwerk der Farben sehe ich klar vor mir.

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