An meine Schüler II

Ihr habt mich mich heute sehr überrascht. Ich fragte euch heute im Unterricht nach dem Glück. Eure Antworten drehten sich um die Freude an kleinen Sachen, um das soziale Umfeld, um den Frieden in der Welt und in dem Menschen an sich, um die Hilfe für Kinder und um die Bescheidenheit im Leben. Keiner von euch hat von Karriere oder von materiellen Gütern gesprochen, was mich sehr gefreut hat. An die Gesundheit habt ihr nicht gedacht, aber ich glaube, dass ihr die Gesundheit schätzt, auch wenn sie unerwähnt geblieben ist. Ich danke euch für das heutige Gespräch. Ich werde euch nie vergessen und hoffe, ihr vergesst mich nicht.

 

Mir ging es heute nicht gut, aber ich versuchte nach meiner Überzeugung zu leben. Ich lebte euch heute das vor, was ich predige. In jedem Moment unseres Lebens mit den Sorgen umgehen zu können, sich über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen und das Positive zu sehen. Seht ihr, wie weit ihr in eurem Denken seid? Ich habe dafür Jahre gebraucht, um so weit zu kommen. Bei euch gibt es schon jetzt viele Melodien und ihr seid noch so jung; bei euch sollte ich mich niederlassen, weil wir heute gelesen haben, dass es bei bösen Menschen keine Lieder gibt.

Ich möchte euch noch kurz von einem Mann erzählen. Er hieß Scott Nearing. Vielleicht werdet ihr eines Tages seine Autobiographie “Ein Leben gegen den Strom” lesen. Darin schreibt er: “Die Entscheidung Harry Trumans, die Stadt Hiroshima auszuradieren, war das Ereignis, das mich endgültig aus meinen gefühls- und gewohnheitsmäßigen Bindungen an die westliche Zivilisation riss. Es geschah an meinem 62. Geburtstag, dem 6. August 1945. An diesem Tag schrieb ich an Präsident Truman: Ihre Regierung ist nicht länger die meine. Von diesem Tag an trennen sich unsere Wege. Sie werden Ihren selbstmörderischen Kurs weiter steuern, die Welt verfluchen und verderben. Ich dagegen widme mich der Aufgabe, bei der Gründung einer menschlichen Gesellschaft zu helfen, die auf Zusammenarbeit, sozialer Gerechtigkeit und menschlichem Wohlergehen beruht… Ich empfand, schreibt er weiter, dass der Gebrauch von atomarer Waffen gegen Japan nicht nur ein Verbrechen gegen die Menschheit war, sondern ein Fehler, der dazu führen würde, die zerstörerischen Kräfte auf diesem Planeten ins Unermessliche zu steigern.” (Aus: Korth, Michael: Die Kunst der Bescheidenheit)

Scott Nearing veränderte sein Leben und fand sein Glück. Ich verrate euch nicht die ganze Geschichte. Sucht bitte nach dieser Geschichte selbst; sucht auch nach anderen Geschichten, die euer Leben bereichern. Ich suche weiter, bald ohne euch. Ich werde neue Wege suchen müssen und finden müssen, um mich dem Glück zumindest nähern zu können. Es fehlen noch viele Lieder und viele Melodien in meinem Leben. Viel zu viele Schlüssel halte ich in meinen Händen. (Schön hast du es gesagt mit den Schlüsseln!) Danke euch für die schöne gemeinsame Zeit. Lebt wohl und denkt an Beethoven! Und kommt irgendwann zurück und erzählt mir von eurem Glück, von eurer Suche und euren Wegen zum Glück.

Auf Wiedersehen!

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