San Lorenzo und der andere fast San Lorenzo

San Lorenzo, spanischer Diakon und Märtyrer, wurde vom Papst San Sixto nach Rom berufen, um den Diakonenverbund zu leiten. Er übernahm auch die Aufgabe, die Gelder, die für die Armen bestimmt waren, zu verteilen. Eines Tages verhafteten ihn die römischen Wächter und verlangten von San Lorenzo, dass er ihnen verrate, wo die Kirche ihren Schatz aufbewahrt. Er bat die Wächter, ihm drei Tage Bedenkzeit zu geben, um ihnen eine genaue Information geben zu können. Nach drei Tagen erschien er mit einer ganzen Schar von armen, blinden, zerlumpten und hinkenden Menschen und sagte zu den Wächtern: “Diese Menschen sind der ganze Schatz der Kirche, nach dem ihr gefragt hattet.” Daraufhin brachten ihn die Wächter zum Kaiser, der sofort sein Todesurteil verhängte. San Lorenzo sollte auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden.

Die Legende besagt, dass als San Lorenzo auf dem Scheiterhaufen lag und brannte, er gesagt haben solle: “Von unten bin ich schon knusprig gebraten, könntet ihr mich jetzt umdrehen?”

Ich kenne einen netten Herren, mit ähnlichen Namen wie San Lorenzo. (Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.) Allerdings ist er alles andere als heilig. Als Jugendlicher war er schon ein durchtriebener Bengel, der seiner Mutter viel Ärger brachte. Seine Eltern, arme Landleute, mussten eines Tages ihre Kuh verkaufen, um den harten Winter am Fuße der rumänischen Karpaten zu überleben. Für das Geld überlebten sie den Winter und um weiterhin Milch zu haben, kauften sie eine Ziege. Der junge Bengel allerdings dachte, dass man auf einer Ziege genauso wie auf einem Pferd reiten kann. Als die Eltern auf dem Feld waren, setzte er sich auf die kleine Ziege und trieb sie mit den Rufen an, die er aus Winnetou-Filmen abgeschaut hatte. Dabei brach er der Ziege die Wirbelsäule und die Eltern mussten sie schlachten. Eine andere Geschichte besagt, dass dieser junge Bengel immer im Sommer Tabakblätter einfädeln musste, damit man sie zum Trocknen aufhängen konnte. Um sich aber die Arbeit zu ersparen, vergrub er die größere Hälfte der Tabakernte im Garten. Die Jahre vergingen und aus dem jungen Mann wurde ein ganz Netter. Und seit heute befindet er sich auf der ersten Stufe der Heiligkeit, da er heute Morgen seine Frau bat, ihn auf den Jakobsweg zu begleiten. Er versprach ihr, alles Geld, was er für Zigaretten ausgibt, für ihre gemeinsame Pilgerschaft zu sparen. Die beiden sitzen nun glücklich in ihrem Garten und schmieden Pläne, teilen schon die Etappen ein und freuen sich auf die gemeinsamen Trainigsstunden irgendwo zwischen Oberreut und Daxlanden.

Wir liefen heute zum 13. Mal und bewältigten 34 km zwischen Castrojeriz und Villarmento de Campos. Es war eine schöne Etappe auf einer fruchtbaren Hochebene mit weiten Feldern und unendlichen Horizonten. Der Jakobsweg ist einfach wunderschön.

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