Gema und Lucía

„Gema, nur eine einzige Minute war genug, um dich zu lieben. Lucía.” Lucía erklärt nicht mehr als nötig, und trotzdem kann man sich sehr gut jene einzige Minute ihres Lebens, die alles veränderte, gut vorstellen. Ohne zu denken, verließ sie ihre Eltern und zog in die Vorstadt von León zu Gema. Ihre Liebe dauerte nur kurz; sie waren jung – diese Liebe prägte jedoch für immer ihre junge Leben.

Schon lange glaube ich nicht an die Liebe, die sich mit voller Wucht entfaltet, ohne vorher leise angeklopft zu haben. Die Intensität einer solchen Liebe mag unvergesslich bleiben – sie mag den ganzen Körper und den Kopf durchrütteln – sie bricht aber irgendwann auseinander, um einer neuen Liebe den Weg zu ebnen.

Alle Wege führen nach Rom und auch nach Santiago. Mit der Zeit ragt einer der Wege hervor und überschattet die anderen – das ist das Gesetz des Lebens, dass auch die Wege ihre Geburt erleben, ihre Entwicklung durchmachen, ihren Fall still hinnehmen und manche von ihnen werden wieder geboren. Und da die Wege nach Rom schwächeln, erstarkt der Jakobsweg. Gema und Lucía erlebten in der ersten Minute ihrer Begegnung eine wahre Explosion an Gefühlen, schauten den vom Himmel langsam fallenden Funken zu, die ihre Blicke geschaffen hatten, um sie später aschfahl auf dem Boden zu sehen.

Der Jakobsweg blüht, das Zentrum von León bringt die Menschen zum Träumen; zumindest diejenigen, die es sich leisten können, hier in der Altstadt zu träumen. Die anderen sitzen dann hinter der alten Stadtmauer – in den grauen Straßen, in denen an jedem zweiten Haus steht: “Zu vermieten oder zu verkaufen”. Dort irgendwo – hinter der alten Stadtmauer schrieb einst Lucía den wunderschönen Satz: “Gema, nur eine einzige Minute war genug, um dich zu lieben. Lucía.”
Nach 19 km erreichten wir León. Unsere 17. Etappe war abwechslungsreicher als die von gestern. León ist wirklich sehenswert. Unser Hotel hat einen schönen Namen: GUZMÁN EL BUENO/Der gute Guzmán. Morgen machen wir eine Pause, da wir uns heute auch einen Wodka-Lemon gönnen wollen. (Natürlich ist der Wodka nicht der Grund. Wir laufen vorsichtig, hören auf unsere Körper und so nähern wir uns sicherer dem Ziel. Santiago ist nun 310 km entfernt – viel zu nah für den Kopf, viel zu weit für den Körper. Ich wünsche mir eigentlich noch mindestens 10.000 km – ich mag keine kurzen Strecken:)

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