Die Menschen in den Gärten

Nach vielen Jahren öffnete er die Hintertür seines Hauses und trat in den Garten hinaus. Die Sonne blendete sein blasses Gesicht, aber er spürte, dass ihm dieser Garten gut tun würde. Er blieb am Blumenbeet stehen, berührte zuerst die gelben, dann die roten und schließlich die blauen Blumen. Er atmete tief ihren Duft ein und dachte an die vielen Jahre, die er ohne seine Blumenbeete verbracht hatte.

Ein kleiner Junge von fünf Jahren saß neben dem Gemüsebeet und erklärte seiner Großmutter, wie sie am besten bei der Gartenarbeit sitzen solle, um keine Rückenschmerzen zu bekommen. Sie lächelte sanft, streichelte seinen Kopf und zeigte ihm, wie man vorschichtig das Unkraut jätet, um die zarten Gemüsepflänzchen nicht zu verletzen.

Eine andere Großmutter versorgt ihre ganze Familie mit selbst angebautem Gemüse, mit eigener Kräuter-Tee-Mischung und mit im Wald gesammelten Pilzen und Haselnüssen.

Ein Mann mittleren Alters, beruflich ausgebrannt, zerbröselt im Frühling jeden einzelnen Pferdeapfel, um seine Gemüsebeete zu düngen. Fast schon aus Tradition wünscht er sich zum Geburtstag einen vollen Sack von Pferdemist, der heutzutage sonst in den Gartencentern teuer zu kaufen ist. Er hat Angst, dass die großen Konzerne den Menschen nun auch die restlichen kleinen Felder entreißen.

Ein anderer Mann geht ebenfalls sehr umsichtig mit seinem kleinen Acker um. Er verzichtet auf Chemikalien, um die Kinder seiner Nachbarn nicht nach und nach zu vergiften.

Eine Familie zerstört die Erde ihres Gartens, indem sie immer noch die Anbaumethoden der 60er Jahre verfolgt. Alle Mitglieder jener Familie freuen sich dann über die großen vergifteten Früchte.

Er läuft weiter. Er wenden sich von den gelben, roten und den blauen Blumen ab und schreitet weiter zu der alten Eiche an der Mauer. Bei der Eiche angekommen, atmet er wieder tief ein, lächelt sogar schelmisch, weil er sehr froh darüber ist, dass die Firmenbüros immer mehr Menschen an das Land und seine dunkle fruchtbare Erde verlieren. Langsam, aber beständig, verwandeln viele Menschen die alten Brachen in kleine blühende Inseln, während die Mächtigen ihre Zugpferde verlieren.

Ich tauche meine Hände tief in die Erde meines Gartens, atme tief ein und fühle endlich, dass ich zu Hause angekommen bin. Ich ernte im Oktober Feigen und Ende November Rosenkohl. Ich gehe mit dem Boden sorgsam um und der Anblick des Mannes in seinem Blumengarten treibt mich weiter – auf meinem Weg zu einer blühenden Welt.

Heute liefen wir aus Portomarín nach Palas de Rei. (25. Etappe, 25 km) Nun laufen wir schon drei Tage in Galizien und wir haben das Gefühl, dass wir hier wie die letzte Scheiße behandelt werden. Die Menschen, die in den Bars, Restaurants und Hotels arbeiten, sind äußerst unfreundlich. Soeben verließen wir ein Restaurant, weil der Kellner, den wir fragten, ob wir essen dürfen, uns bösartig angeschaut hat. Wir sind dann in ein anderes Restaurant gegangen, wo wir auch lieblos behandelt wurden. Als mich der Kellner fragte, wie es uns geschmeckt hat, habe ich ihm gesagt, dass es mir gar nicht schmeckte, weil wir uns in Galizien sehr unwillkommen fühlen. Gerade bemüht er sich ein wenig mehr. Ansonsten ist Galizien im Vergleich mit anderen Regionen sehr schmutzig, alles stinkt nach Gülle und Kuhmist, an den Wegen liegt Müll. Wir lassen uns den Weg aber nicht verderben. Im schlimmsten Falle werden wir nach der Ankunft in Santiago nach Portugal ausweichen.

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