Ein Grab auf dem Olavsweg

Immer noch trage ich viel zu viel mit; auch das Untragbare. Langsam werden die Gedanken klarer, gereinigt durch mehrere Albträume und die vielen zurückgelegten Kilometer.Ein ziemlich ungläubiger Pilger wird gläubiger. Er gelangt zu einem Zustand, in dem er an eine Mischexistenz – bestehend aus dem eigenem Körper, der eigenen Lebenserfahrung und dem momentanen Denken einerseits und aus dem göttlich – transzendentalen Etwas anderseits – bestehen zu scheint. Der Pilger wird gezwungen alles loszulassen, alles neu zu überdenken, das Bisherige zu hinterfragen. Sollte es ihm gelingen, wird sein Weg leichter und seine Seele ruhiger. Der Körper gehorcht oder zumindest zwingt man den Körper zu seinem Glück. Wenn der Pilger es schafft, inne zu halten, nicht weiter zu gehen als ihm es die Vernunft zuflüstert, wird er zum Gewinner gekürt. Sollte er über seine Kräfte hinaus schießen, wird er scheitern. Auf dem Jakobsweg sah ich viele Gräber verstorbener Pilger; auf dem Olavsweg sah ich bis jetzt keine solche Mahnmale. Und doch. Ich sah heute am Rande des Pilgerpfades ein Grab eines Mannes. Darauf stand geschrieben: „Er starb unschuldig – durch einen Genickschuss von einem deutschen Soldaten“. Die Menschen waren grausam und sind es weiterhin. Am liebsten würde man alle diejenigen einsperren, die unschuldige Menschen auf dem Mittelmeer vor dem Ertrinken retten und in vielen Regionen der Welt wird weiterhin wild um sich geschossen. Vielleicht sollten alle Menschen einen obligatorischen Pilgerweg gehen, um zu verstehen, wie wertvoll das Leben ist. Und mancher Wähler sollte sich auf den Olavsweg begeben, um an diesem Grab eines norwegischen Mannen um Entschuldigung zu bitten oder nur einfach nachzudenken, bevor es wieder an die Wahlurne geht.3. Etappe: Jessheim – Dal (13 km)Eine sehr kurze Etappe. Den ganzen Tag scheint die Sonne. Eigentlich wollten wir uns erholen, aber der nächste Supermarkt lag 3,5 km von unserem Hotel entfernt. Also kamen wir doch an die 20 km. Übrigens, Norwegen ist gar nicht so teuer. Auf dem Olavsweg spart man schon dadurch, dass man 10 km läuft und kein Geld ausgeben kann und da befinden wir uns noch im Großraum Oslo. Morgen beginnt die erste Härteprobe, wir müssen uns für zwei Tage mit Nahrungsmittel und Wasser eindecken. Oder finden wir vielleicht einen Weg, doch auf dem Komfortpfad zu bleiben?

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